Die perfekte Redestruktur

Jeder erfolgreiche Mensch muss irgendwann mal eine Rede halten. Eine Rede zu halten gehört in der heutigen Kommunikationskultur einfach dazu. Ich möchte Dir in diesem Artikel zum Thema Kommunikation die perfekte Redestruktur aufzeigen. Damit weißt Du bei Deiner nächsten Rede, wie Du diese professionell aufbauen kannst.

Wie ist die perfekte Redestruktur?

Bei einer Rede solltest Du immer folgende Redestruktur anwenden, die wie ein alten griechischen Tempel aufgebaut ist:

  1. Einleitung (Fundament)
  2. Drei Argumente (Säulen)
  3. Schluss (Dach)
  4. Regenrohr

1. Einleitung

Die Einleitung besteht aus vier grundlegenden Bestandteilen und bildet das Fundament Deiner Rede:

  1. Aufmerksamkeit
  2. Erster Satz
  3. Botschaft
  4. Wegweiser

1. Aufmerksamkeit

Um die volle Aufmerksamkeit Deines Publikums zu erreichen, schweigst Du erst einmal, nachdem Du Deine Bühne betreten hast. Und während Du schweigst, lächelst Du Dein Publikum an, denn Dein schweigendes Lächeln zeugt von Selbstvertrauen, Authorität und Charisma.

Und dann brauchst Du noch ein wenig Geduld, bis die letzten in Deinem Publikum ihren Stuhl zurecht gerückt oder ihr Smartphone noch eilig ausgeschaltet und verräumt haben.

2. Erster Satz

Dein erster Satz sollte mit einem Paukenschlag beginnen. Du brauchst Dich nicht vorstellen, denn Dein Publikum kennen Dich und sie kennen auch Dein Redethema. Also höre auf, schon am Anfang Dein Publikum zu langweilen. Benutze anstatt dessen einen der folgenden Paukenschläge:

  • Zitate sind Rhetorik-Diamanten von berühmten Persönlichkeiten, die Du Dir für Deine Rede ausleihen kannst. Du leihst Dir quasi ihre Autorität und Glaubwürdigkeit. Allerdings sollten die Zitate zu Deiner Rede passen.
  • Steve Jobs Paukenschlag am Anfang einer Rede war immer nur ein Wort. Und sobald Du dieses eine Wort mit Würde und der richtigen Intonation ausgesprochen hast, weiß jeder, worum es in deiner Rede geht.
  • Durch Gedankenprovokation, dass heißt provozierende Aussagen, kannst Du ebenfalls Deine Rede mit einem Paukenschlag beginnen. In dem Du bei Deinem Publikum den „WAS?“- Effekt auslöst, hast Du es schon eingefangen.
  • Eine geschlossene Frage kann ebenfalls das Potential haben, Dein Publikum sofort in Deinen Bann zu ziehen. Offene Fragen hingegen bürgen die Gefahr, Dein Publikum in einen Gedankenstrudel zu ziehen, der sie von Deiner Rede ablenkt.
  • Du kannst allerdings aber auch Deine Rede mit einem Zeitpunkt in der Vergangenheit beginnen. Sobald Du das tust, wird dein Publikum Dir zuhören, weil es jetzt eine Geschichte erwartet. Und wir alle lieben Geschichten.

3. Botschaft

Jede Rede sollte eine Botschaft haben. Teile also Deinem Publikum mit, was Dein Anliegen ist und was sie mit nach Hause nehmen sollen.

4. Wegweiser

Der Wegweiser ist das Bindeglied zwischen Deiner Einleitung und dem Hauptteil. Mit dem Wegweiser bestimmst Du den strukturellen Rahmen, ohne die Inhalte genauer zu benennen.

2. Hauptteil

Der Hauptteil sollte aus drei Argumenten, den Säulen bestehen, die Deine Botschaft untermauern. Diese Argumente sollten mit logischen Elementen untermauert werden, welche Sein könnten:

  • Zahlen
  • Daten
  • Fakten
  • Umfragen
  • Statistiken
  • Forschung
  • Expertenmeinung
  • Beispiele
  • Demonstrationen

3. Schluss

Der Schluss bildet das Dach Deines Redetempels. Er besteht aus folgenden drei Teilen:

  1. Zusammenfassung
  2. Botschaft
  3. Handlungsaufforderung

1. Zusammenfassung

Am Anfang des Schlusses solltest Du Deine drei Argumente noch einmal kurz zusammenfassen, um einen Wiederholungseffekt zu erreichen. Dadurch werden Deine Argumente haltbarer, weil Dein Publikum sich Wiederholtes besser merken kann.

2. Botschaft

Wenn Dein Publikum Deine Argumente durch die Wiederholung sich nicht nur besser merken , sondern auch besser nachvollziehen kann, wird es Zeit, Deine Botschaft nochmal zu nennen. Dadurch, dass das Publikum die Argumentation für die Botschaft besser nachvollziehen kann, wird auch die Botschaft besser angenommen und verinnerlicht.

3. Handlungsaufforderung

Die Handlungsaufforderung soll einen ersten Schritt in die Richtung Deiner Botschaft darstellen. Damit machst Du aus einem passiven Publikum ein aktives Publikum. Dieser erste Schritt kann noch vor Ort erfolgen oder etwas zeitversetzt. Aber lass auf jeden Fall Dein Publikum den ersten Schritt gehen.

Menschen zu überzeugen heißt immer auch, Menschen zu Handlungen zu bewegen. Das ist die wahre Macht des Redens. Also vergeude sie nicht.

4. Regenrohr

Das Regenrohr rundet den Vortrag ab, indem es Bezug auf den ersten Satz nimmt. Vom Dach zurück zum Fundament. Der Kreis schließt sich.

Dabei ersetzt das Regenrohr das langweilige „Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“ . Du solltest Dich am Ende Deiner Rede nicht bedanken. Denn das zertört jedes Gänsehautgefühl, dass Du mit dem Regenrohr erreicht hast.

5. Klare Übergänge

Übergänge helfen Deinem Publikum, Deinem Vortrag zu folgen. Du brauchst sie zwischen jedem einzelnen Übergang. Hier ein paar Beispiele für Übergänge:

  • „Aber das ist nicht alles. Ein weiterer entscheidender Faktor ist..“
  • „Der dritte und wichtigste Vorteil ist…“
  • „Als alles in Butter schien, machten wir den größten Fehler… ?
  • „Wo Schatten ist, da ist auch Licht.“
  • „Doch die Reise ging weiter.“
  • „Fünf Jahre später in unserem neuen Hauptquartier…“
  • „Wie sieht die Zukunft aus?“

In kurzer Zeit eine Rede basteln

Ob Meeting, Kundenpräsentation oder Hochzeitsrede. Mit dieser Fünf-Schritte-Methode gelingt Dir jede Rede in kurzer Zeit.

1. Schritt: Unterthemen sammeln

Ohne Thema, keine Rede, jedenfalls keine gute Rede. Wenn Du Dein Thema hast, zum Beispiel eine Rede zum 50. Geburtstag eines Freundes, dann kannst Du beginnen, Unterthemen dafür zu sammeln.

In diesem Beispiel könnten das wichtige Lebensereignisse, gemeinsame Erlebnisse oder Charaktereigenschaften Deines Freundes sein.

2. Schritt: Drei Unterthemen auswählen

Wähle nun von Deinen gesammelten Unterthemen drei aus, um den Hauptteil Deiner Rede zu gestalten. Die Zahl drei ist dabei eine magische Zahl in der Rhetorik und wird überall verwendet. Sei es nun bei den „Drei Fragezeichen“, den drei kleinen Schweinchen oder Tick, Trick und Track. Auch Julius Caesar sagte: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“ anstatt: „Ich kam, ich sah, ich kämpfte und ich siegte.“

3. Schritt: Einen Höhepunkt konstruieren

Wenn Du die drei Unterthemen ausgesucht hast, versuche sie in eine Reihenfolge nach dem Motto: Gut, besser, am Besten zu bringen. Das ist ein sehr bekanntes rhetorisches Mittel der alten Griechen, dass sogar die Werbung sehr gerne einsetzt.

Egal ob „gut, besser, Paulaner“, „billig, billiger, Banane“ oder „schnell, schneller, Henssler“. Der Spannungsaufbau hält Dein Publikum quasi im Bann Deiner Rede.

4. Schritt: Einleitung, Schluss und Regenrohr

Für die perfekte Redestruktur brauchst Du nur noch eine Einleitung, einen Schluss und die Rückführung zur Einleitung, das sogenannte Regenrohr. Dann ist Deine Rede im Rohbau schon fertig. fehlt also nur noch die Inneneinrichtung:

5. Schritt: Der Feinschliff

Nachdem jetzt Deine Redestruktur steht, musst Du nur noch den Feinschliff vornehmen. das bedeutet, Du baust rhetorische Mittel wie zum Beispiel Zitate, Geschichten, Witze oder visuelle Hilfsmittel in Deine Rede mit ein.

Außerdem ließt Du sieh Dir solange immer wieder laut vor, bis Deine Rede für Dich rund klingt. Du kannst auch Familienmitglieder oder Freunde als Pretester Deine Rede beurteilen lassen.

Buchtipp

Wenn Du noch mehr über die perfekte Redestruktur erfahren möchtest und rhetorische Mittel erfahren möchtest, dann kann ich Dir nur das Buch vom Vortragsexperten Florian Mück: „Der einfache Weg zum begeisternden Vortrag“ wärmstens empfehlen.

Extra-Tipp

„Alle Theorie ist grau“ heißt es so schön. Darum solltest Du versuchen, möglichst viel Praxis im Reden zu bekommen. In den weltweit über 16.600 Toastmaster-Clubs in 143 Ländern mit 357.000 Mitgliedern kannst Du auch ganz in Deiner Nähe lernen, die perfekte Redestruktur aufzubauen und vor Publikum zu sprechen.

Toastmaster international ist seit über 75 Jahren eine gemeinnützige Organisation, die mittlerweile zehn Ausbildungswege für Redner und Führungskräfte anbietet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zur Zeit jährlich 144 Euro und die Clubtreffen finden alle zwei Wochen statt.

Informationen zu den Toastmaster-Clubs sowie den Lerninhalten und weiteren Vorteilen findest Du unter: https://www.toastmasters.org

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