Lebe Deine Rede

„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,

 Ich kenn auch die Herren Verfasser;

 Ich weiß, sie tranken heimlich Wein

 Und predigten öffentlich Wasser.“

Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen.

Diese Strophe aus Heinrich Heines Gedicht „Deutschland. Ein Wintermärchen.“ aus dem Jahr 1842 sagt schon etwas über die wichtigste Eigenschaft aus, die ein Redner haben muss. Nämlich: Lebe Deine Rede. Oder in der Fachsprache Authentizität genannt. Doch was brauchst Du als Redner, um authentisch in Deiner Kommunikation zu sein?

Laut Frederick Malsy, einen der Top Speaker im deutschsprachigem Raum, besteht Authentizität aus drei Komponenten, die auch so von den Neurowissenschaftlern bestätigt werden:

  • Kompetenz
  • Sympathie und
  • Autorität

Kompetenz

Kompetenz strahlst Du mit dem Dir eigenen Glaubenssatz: „Ich habe meinem Publikum etwas zu sagen“ aus. Denn nur, wenn Du in Deiner Rede Deinem Publikum eine Botschaft übermittelst, besteht diese Rede nicht nur aus belanglosem Gerede, das die Zuhörer langweilt.

Sympathie

Wenn Du einem Menschen etwas Nahe bringen willst, dann ist laut Professor Dr. Gerald Hüther, Deutschlands bekanntesten Hirnforscher, eine Grundvoraussetzung dafür, dass Du diesem Menschen magst. Wenn Du einen Menschen nicht magst, wird er das spüren und das Gesagte von Dir nicht annehmen können.

Und genau für diese Annahme ist auch die Sympathie Deines Publikums Dir gegenüber wichtig. Dabei erreichst Du über die Spiegelneuronen im Gehirn Deines Zuhörers den Effekt, dass er, wenn Du ihn magst, er auch Dich mögen wird.

Du brauchst immer zwei Gehirnhälften

Laut Hirnforschung sind beide Komponenten, Kompetenz und Sympathie, wichtig um Dein Publikum erreichen zu können. Denn mit Deiner Kompetenz spricht Du die Gehirnhälfte an, die für das kognitive Erleben zuständig ist. Und mit der Sympathie die Gehirnhälfte, in der sich das emotionale Erleben abspielt.

Denn mit der kognitiven Hirnhälfte allein kommst Du nicht weit. So kann man dick und fett auf die Zigarettenschachtel drauf drucken, dass Rachen der Gesundheit schadet und sogar lebensverkürzend ist. Ein Raucher liest das und hat hinterher trotzdem wieder Lust auf eine Zigarette.

Ich muss jemanden also berühren, um ihn etwas Nahe zu bringen. Doch nur mit der emotionalen Hirnhälfte wird das auch nichts. Mit der sogenannten Kuschelpädagogik, also mit Küssen und Umarmen, kommst Du hirntechnisch gesehen auch nicht weiter. Das wird die Zigarette danach auch nicht verhindern.

Sondern nur, wenn wir mit unserer Rede beide Gehirnhälften, also die kognitive und die emotionale Seite, ansprechen, werden wir unser Publikum erreichen.

Autorität

Die dritte wichtige Komponente für die Authentizität ist die Autorität. Diese kannst Du herstellen, in dem Dir Dein Publikum vertrauen kann. Laut Hirnforschung kann Dir Dein gegenüber allerdings nur vertrauen, wenn Du Dir selbst vertraust. Wenn Du Dir also selbst glaubst.

Und wie wichtig der Glaube ist, zeigt ein Experiment aus Amerika, bei dem man durchschnittliche Schulklassen am Anfang des Schuljahres zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt hat. Den Lehrern hat man erzählt, dass die eine Gruppe aus besonders leistungsfähigen und die andere Gruppe aus nicht so leistungsfähigen Schülern bestünde.

Am Ende des Schuljahres waren dann die Schüler, die von den Lehrern als die leistungsfähigeren Schüler betrachtet wurden, auch tatsächlich leistungsfähiger als die andere Gruppe. Dies zeigt, wie wichtig und wie stark unser Glaube ist und wie sehr dieser Glaube unser Publikum beeinflussen kann.

Und da komme ich wieder zurück zu Heinrich Heines Gedicht: „Deutschland. Ein Wintermärchen.“. Wenn ich erfolgreich Wasser predigen möchte, dann muss ich selbst auch Wasser trinken. Wasser steht hier auch als Symbol für die Klarheit einer Rede. Denn nichts ist so klar wie reines Wasser. Ansonsten bleibt mir bildlich gesprochen nur noch die „spanische Inquisition“, um andere davon zu überzeugen, bei meiner Idee mit zu machen.

Eine Rede sollte immer ein Teil von uns sein.

Laut Malsy ist eine Rede immer dann authentisch, wenn sie ein Teil von uns ist. Das bedeutet, dass, wovon Du redest sollte immer auch ein Stück von Deiner eigenen Lebensgeschichte beziehungsweise Persönlichkeit betreffen. Dann lebst Du Deine Rede auch. Du weißt, wovon Du sprichst, denn Du sprichst ein Stück weit aus Deinem Herzen.

Lebe Deine Rede

Darum lebe Deine Rede. Denn alles was wir sagen, bekommt erst Gewicht, wenn wir nach unseren eigenen Worten leben. Und ob wir das in den Augen unseres Publikums machen, können wir an dem Widerhall erkennen, den sie bei den Zuhörern wecken.

Wenn die anderen Menschen unseren Worten nicht glauben, dann liegt das hauptsächlich an uns selbst und dem, was wir tuhen. Wir handeln dann nicht nach dem Grundsatz: Lebe Deine Rede. Sehr treffend drückt es ein altes afrikanisches Sprichwort aus: „Deine Taten sprechen so laut, ich kann Deine Worte nicht hören.“

Gandhi und der Junge, der keine Süßigkeiten essen sollte

Eines Tages kam eine Mutter zu Mahatma Gandhi. Sie wollte, dass Gandhi ihrem Sohn davon überzeugt, nicht soviel Süßigkeiten zu essen. Denn sie glaubte, die Worte des großen Mannes würden ihr Kind mehr überzeugen als ihre eigenen. Gandhi sagte zu der Frau, sie solle in drei Monaten wieder kommen, damit er genug Zeit hat, sich auf diese Aufgabe vorzubereiten.

Nach drei Monaten kam die Mutter mit Ihrem Sohn wieder zu Gandhi. Gandhi erklärte Ihrem Sohn mit einfachen Worten, dass es für ihn besser sei, nicht soviel Süßes zu essen. Denn Zucker sei nicht gut für die Gesundheit. Der Junge würde bestimmt stärker und größer werden, wenn er öfters Süßigkeiten weglassen würde. Der Sohn war sofort damit einverstanden.

Die Mutter schaute Gandhi verdutzt an und fragte ihn, warum er für eine so einfache Erklärung drei Monate Vorbereitungszeit gebraucht hat. Daraufhin meinte Gandhi, dass er, um überzeugend zu sein, selbst drei Monate auf Zucker verzichten musste. Nur so konnte er dem Jungen das Vertrauen vermitteln, es ihm nach zu tun.

Zusammenfassung:

Wenn Du ein guter Redner werden möchtest, solltest Du authentisch sein. Diese Authentizität erreichst Du mit den Komponenten Kompetenz, Sympathie und Autorität. Das bedeutet, dass Du folgende Glaubenssätze verinnerlichen und vor Deiner Rede Dir ins Bewusstsein holen solltest:

  • Ich habe meinem Publikum etwas zu sagen.
  • Ich mag mein Publikum.
  • Mein Publikum kann mir vertrauen.
DAS KÖNNTE DICH AUCH INTERESSIEREN

Lebe Deine Rede

Die perfekte Redestruktur

>